Der Künstler Erwin Plönes.
Sicher haben Sie bemerkt, dass sowohl die Kunstdrucke als auch die Seidenschals mit Designs und Mustern von Erwin Plönes gestaltet sind.
Wie beim 'Bauhaus' vertraten auch die 'Kölner Werkstätten', die Ausbildungsstätte des Künstlers, die Auffassung, dass die Malerei eine wichtige Voraussetzung für die Produktgestaltung sei. Insofern ist die Anwendung der graphischen Werke des Künstlers auf „Dinge des täglichen Lebens“ kein Bruch sondern, eine Fortsetzung seines Schaffens, denn diese kommen nun voll zur Blüte.
Wer war Erwin Plönes, geboren 1925 in Wesel, gestorben 2015 in Brüssel?
Um das zu beleuchten, muss man sich mit den Kölner Werkschulen befassen. Diese Künstlerschmiede kann in Abgrenzung zu den Akademien am ehesten im Vergleich mit dem Bauhaus verstanden werden, mit dem es einige Jahre parallel bestand.
Erwin studierte dort während des Zweiten Weltkrieges, ab dem Sommersemester 1941 bis zum Wintersemester 1941/42 und nach dem Krieg ab dem Sommersemester 1947 bis zum Wintersemester 1951/52. Einer seiner Hauptlehrer war Prof. Otto Gerster. Während seiner Studienjahre an den Kölner Werkschulen besteht das Bauhaus nicht mehr: es wurde ja bekanntlich 1933 aufgelöst, hat aber einen bis heute anhaltenden Einfluss sowohl in Deutschland und darüber hinaus. Die Kölner Werkschulen bestanden bis 1971.
Im Mittelpunkt beider Ausbildungsstätten standen die Ateliers und damit die praktische Ausbildung. Dies zeigt sich am Werk des Künstlers: er beherrschte unterschiedlichste Techniken wie Glasmalerei, Sgraffito, Linolschnitt, Frottage, Zeichnung, Landschaftsmalerei, schuf aber, seiner Intuition folgend, eigene Varianten der erlernten Techniken, vor allem die des „Holzmosaiks“ oder wie ich es nenne „Malerei in Holz“ in Anlehnung zum Begriff der Glasmalerei, bei der ja auch einzelne Teile zu einer Gesamtkomposition zusammengefügt werden. Darüber hinaus veranschaulicht er mit seiner Technik „Malerei in Holz“ ein strategisches Ziel des Bauhauses und der darauf fußenden Werkschulen: die Synthese der Künste. Denn einerseits betätigt er sich durch die Herstellung der Holzteile handwerklich, andererseits kreiert er ein malerisches Werk.
Es war weiter auch interessant, zu erfahren, dass sein Zwillingsbruder ebenfalls die KW besuchte und als Künstler tätig war. Anfangs arbeiteten die Brüder zusammen, vor allem bei Kunstwerken im öffentlichen Raum, „in voller Harmonie“ wie es eine Kuratorin einst beschrieb. Noch heute kann man im Raum Leverkusen verschiedene Sgraffito-Werke und Kirchenfenster der beiden Künstler bewundern, die in enger Zusammenarbeit entstanden sind. Schon der Vater der Zwillinge, Studienrat und nicht als Maler ausgebildet, widmete sich der Malerei.
Als Erwin dann mit seiner Frau nach Brüssel zieht, entwickelt er ein eigenständiges Werk wie eine Vielzahl an Zeichnungen, Landschaften oder die Serie der erwähnten Holzmosaike.
Seine Werke
- Motive
Ein Großteil der Werke sind Landschaften. Landschaften reflektieren unterschiedliche Ziele und Aussagen eines Künstlers etwa die Landschaft als Staffage bei Leonardo da Vinci oder als konstruierte Weltlandschaft eines Joachim Patinirs, die Landschaft als Idylle, als beschreibende Natur, als Projektionsfläche für Gefühle und Ängste bei Caspar David Friedrich, die Landschaft als Stimmungsbild oder als Ausdruck des Studiums der Wetterverhältnisse und der Zeitenwende wie bei Turner, bei dem plötzlich Lokomotiven durch die Bilder „dampfen“.
Erwin Plönes lehnte sich eher an ein Thema an, das in Japan sogar ein Genre ist, nämlich die Jahreszeiten: er zeigt den Zauber der Jahreszeiten, die Kraft der Veränderung in der Natur, vielleicht auch meditative Bilder, mit denen man zur Ruhe kommt.
Daneben zeigen die Bilder aus dem Nachlass verschiedene andere Motive wie zum Beispiel das Thema Kosmos, sicher zu seiner Zeit nicht neu, aber doch sehr speziell, wenn man an seine Ausführungen in S/W denkt.
Ein Großteil des Werkes des Künstlers besteht aus Abstraktionen. Betrachtet man die vielfältigen Ausprägungen der Abstraktion bewegen sich die Werke von Erwin Plönes zwischen dynamisch und organisch. Auch hier geht er seinen eigenen Weg.
- Technik
Wie bereits erwähnt, arbeitete der Künstler in verschiedenen Techniken und jonglierte zum Beispiel bereits zu seiner Zeit in Leverkusen zwischen Sgraffito, Glasmalerei, Linolschnitt, Eierschale, Frottage und anderen Techniken. Nach seinem Umzug nach Brüssel und in den 1980er, 1990er und 2000er Jahren schafft er Werke in Gouache, Feder und Tusche oder Kohle auf Papier wie die erwähnten Landschaften oder Zeichnungen in figurativer oder abstrakter Formensprache. Eine Technik, die er ab 1990 anwandte, ist die selbst bedachte und bereits erwähnte Technik „Holzmosaik“, die ich auch „Malerei in Holz“ nenne. Das herausragendste Werk einer Serie trägt einen Titel: ‚Punkt und Fläche‘. Erwin Plönes nimmt dabei sowohl beim Titel als auch der Darstellung direkt Bezug auf das 1926 erschienene Bauhausbuch Nr. 9 „Punkt und Linie zu Fläche“ von Wassily Kandinsky. Die Farbgebung ist sicher auch kein Zufall; in seinem Werk „Über das Geistige in der Kunst‘ aus 1911 beschäftigt sich Kandinsky mit der Wirkung der Farben. Blau verband er mit Ruhe und Unendlichkeit. So unendlich wie Punkte im Universum.
Schließlich zeigt die gesamte Reihe der Holzmosaike und die dabei angewandte Technik, wie stark der Künstler vom Wesen der Werkschulen geprägt war.
- Einordnung
Nimmt man die figurativen und abstrakten Holzmosaike als Basis für eine Einordnung, bewegt sich Erwin Plönes mit seiner Technik zwischen Kandinsky und Duchamp: Kandinsky und die Künstlergruppe ‚Der Blaue Reiter‘ strebten nach einem Einzug der Ideen und Poesie in die Kunst („Über das Geistige in der Kunst“).
Die Kunst solle nicht nur die Augen ansprechen, sondern die Materie durchdringen und die Seele erreichen. Kunst und Kunsthandwerk sollten in einen Dialog treten. Duchamp wiederum war der Auffassung, dass die Technik der Malerei überholt sei. Überhaupt sei Kunst mehr als Technik und Schönheit: was zählte waren Ideen. Und vor allem konnte man seiner Meinung nach Kunst gar nicht definieren, ohne sie dabei einzugrenzen. Nichts sei mehr zu achten als die Individualität von Künstlern. Daher ließ sich auch die Kunst eines Marcel Duchamp nicht in eine Schublade stecken.
Plönes zeigt mit seinen Holzwerken Poesie (Kandinsky) und wählt als Technik das von ihm selbst erdachte Holzmosaik (und nicht die Malerei, die nach Duchamp überholt war). Nimmt man seine Abstraktionen auf Papier zeigt der Künstler auch hier einen eigenen Weg zwischen Zufall und Geometrie: dynamisch-organische Darstellungen. In der Landschaft nähert er sich thematisch den japanischen Darstellungen der Jahreszeiten an, bleibt aber stilistisch bei der realistischen Malweise des Westens, wobei er zwischen verschiedenen Techniken jongliert.
Mehr Informationen zum Künstler und vor allem zu den Techniken, in denen er arbeitete und wie diese in der Kunstgeschichte eingebettet sind, erfahren Sie in der Publikation „Kunsttechniken".
Im Blog können Sie auch immer wieder Abbildungen von einzelnen Werken entdecken.