David Hockney – Die Welt ist vor der Haustür.
Als ich die Nachricht vom Tod David Hockneys hörte, dachte ich sofort an die große Ausstellung im BOZAR in Brüssel, die ich 2021 besuchen durfte. Über Hockney wurde viel geschrieben und analysiert – doch letztlich sprechen seine Bilder für sich selbst.
Mit geschlossenen Augen erscheinen vor meinem inneren Blick zunächst seine berühmten, sonnendurchfluteten Swimmingpool-Szenen aus Kalifornien. Kaum ein Künstler hat Licht, Farbe und Lebensgefühl so eindrucksvoll eingefangen wie Hockney. In vielen dieser Werke thematisierte er zugleich queere Beziehungen und schuf Bilder, die bis heute als Ikonen der modernen Kunst gelten.
Besonders beeindruckt haben mich jedoch seine während der Corona-Pandemie in der Normandie entstandenen iPad-Zeichnungen. Unter dem Motto „Remember, they can’t cancel spring“ hielt er das immer wieder neue Erwachen der Natur fest und schenkte den Menschen in einer schwierigen Zeit Freude, Hoffnung und Zuversicht. Gleichzeitig zeigte er damit, dass künstlerische Neugier kein Alter kennt. Hockney nutzte digitale Medien nicht als bloßes Werkzeug, sondern als neue Möglichkeit des kreativen Ausdrucks.
Ähnlich wie Erwin Plönes griff auch David Hockney klassische Themen der Kunstgeschichte auf; beide Künstler widmeten sich Landschaften, Jahreszeiten und Stillleben. Doch er entwickelte daraus eine eigene Bildsprache. Seine Swimmingpools unter der Sonne wurden zu einem unverwechselbaren Motiv und zeigten seine persönliche Annäherung an die Pop Art.
Dabei blieb Hockney stets experimentierfreudig. Er wechselte mühelos zwischen Zeichnung, Druckgrafik, Malerei, Fotocollage und digitalen Techniken. Sein Werk zeigt eindrucksvoll, dass Tradition und Innovation keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig bereichern können.
Eine Aussage Hockneys, die er selbst auf Vincent van Gogh zurückführte, fasst seine positive Lebenseinstellung vielleicht am besten zusammen:
„Die prächtige Welt liegt direkt vor deiner Tür im Garten. Du musst einfach nur darauf schauen.“
Diese Einladung zum bewussten Sehen zieht sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Schaffen. David Hockney hinterlässt nicht nur ein bedeutendes künstlerisches Werk, sondern auch die Erinnerung daran, dass Schönheit oft näher ist, als wir denken. Freude durch Sehen!